Die Büdinger Stadtmusikanten PDF Drucken E-Mail
Dem Frosch aufs Maul geschaut
Dienstag, den 07. September 2010 um 20:36 Uhr

oder
Warum sich kein Schwein um die Pferdebrücke schert,
aber ein Esel sich Gedanken um sie macht


Es war einmal, vor langer Zeit,
ein Brückchen, ein paar Ellen breit,
dass sich über ein Flüsschen spannt
und beide Seiten brav verband

Und war es auch nur teils aus Stein
war’s doch ein Brückchen hübsch und fein
gar niedlich war es anzusehen
Das kann heut keiner mehr verstehen


Bedenkt die Zeit, sie zog ins Land
und da sich gar so keiner fand
zu reparieren hier und da
verfiel sie schließlich Jahr für Jahr

Die Brücke wurd daher gesperrt
so dass nun weder Mensch, noch Pferd
sie weiterhin benutzen kann
und fällt ins Wasser, irgendwann

Doch unter ihr verlief ein Steg
um dort zu bieten einen Weg
für den, der kam von Meliorsdamm
und wollte gehen den Bach entlang

Und all die Jahre schert es nicht
und Keiner von Gefährdung spricht
dass unser Brückchen, alt und schwach
wohl irgendwann fällt wem aufs Dach

Als eines Nachts das Wasser kam
und Baum und Kühlschrank mit sich nahm
Da brachte es Geäst und Stamm
und häuft es auf dem Steg sodann

Da ging es diesem Steg gar schlecht
denn all der Unrat drückte recht
Das Wasser ließ hier seine Pfänder
und die zerstörten das Geländer

Zum Klettern wurde er entdeckt
da Kinder die Gefahr nicht schreckt
Für sie war es ein Abenteuer
so manchem Andren’ nicht geheuer

Die Absperrung klappte nicht recht
denn - war auch die Idee nicht schlecht -
zu übersteigen - kein Problem
So konnte das nicht weitergeh’n

Da schraubte dann dem Durchgang vor
der Bauhof grad ein Eisentor
Auch wenn die nicht schön anzuschau’n
in Büd’gen find man oft so’n Zaun

Der Unrat ließ sich zwar entfernen
doch musste man dabei dann lernen
dass dieser Steg, ganz sonnenklar
SO nicht mehr zu begehen war

Derweil der Boden abgebaut
nun auf ein Stahlgerüst man schaut
und das der Monate schon dreißig -
die Bäume wachsen hier recht fleißig

Doch eines Tages, im Gebück
am Fuße unsrer Pferdebrück
da stand ein Esel, grau und klein
und neben ihm ein wildes Schwein

Dem Schwein war dieser Weg egal
empfand beim Laufen keine Qual
denn rank und schlank, wie es wohl war
wurd’s flinker grad mit jedem Jahr

Konnt es in Parkes Wiesen wühlen
dann konnte es als Schwein sich fühlen
Angeblich hat man’s schon gesehen
auch mitten auf dem Marktplatz stehen

Der Esel doch, ein schlaues Tier
der hätt’ den Steg gern wieder hier
für ihn macht dieser Weg wohl Sinn:
führt aus der Stadt zum Freibad hin

Auch, wollt er in den Schlosspark gehn
wär dieser Weg ihm sehr genehm
Nun musst’ er immer quer durchs Schloss
was - mit der Zeit - ihn sehr verdross

So klagte er dem Schwein sein Leid
Der täglich Weg sei nun so weit
Er hoffe nur, dass irgendwann
den Steg man doch begehen kann

Und seiner Klage lauter Schall
ereichte auch den Pferdestall
am andren Ufer, bei der Mühlen
die Rosse sich gar heimisch fühlen

Sodann erschien ein Pferdekopf
man konnte sehn, ein armer Tropf
einst stark und stolz man ihn genannt
Nun war’s ein Schimmel ohne Amt

„Da steh ich nun, tagein, tagaus
und schaue auf den Fluss hinaus
Als es den kleinen Steg noch gab
sah Leute ich, den ganzen Tag

Doch weil die Sperrung blieb bestehen
dürfen nun die Touristen gehen
den Meliorsdamm ein gutes Stück
und dann den gleichen Weg zurück

Des öftren wird dann Unmut laut
dass man hier diesen Weg verbaut
und nicht einmal ein Schild hinstellt
wie sich’s mit diesem Weg verhält“

So sprach der Schimmel ohne Amt
- einsam auf diesen Hof verbannt -
Schüttelt dabei sein Haupt so traurig
Der Anblick ist auch gar zu schaurig

Der Esel sprach zum armen Tier:
„Du bist doch schon so lange hier.
Kannst Du nicht fragen bei der Stadt
ob dieser Weg denn Zukunft hat?“

„Die Bohlen hätt der Bauhof schon.“
Antwortet der, in ruhigem Ton.
„So hieß es schon vor bald zwei Jahren.
Jedoch, die Sache sei verfahren.

Es gäb da nämlich ein Problem:
Die Pferdebrück, das könnt man sehn
wär so marode und entzwei
ein Drunter-Durch nicht möglich sei.“

Da sprach das Schwein ganz frank und frei
und dacht’ sich weiter nichts dabei:
„Die Pferdebrücke? Ei der Daus
die sieht doch lange schon so aus!

Drum frag’ ich mich, warum erst jetzt
ist man darüber so entsetzt?
Und wenn sie sich darob so zieren:
Wann wird man sie denn reparieren?!“

Der Esel doch, der ja gescheiter
gedanklich war ein Schrittchen weiter
Und fragt das Pferd nach kurzem Schweigen
wem denn die Brücke sei zu eigen

Hier konnt der Schimmel Antwort geben
Man steht ja nicht sein halbes Leben
an irgendeiner Brücke rum
und fragt sich nicht einmal warum

„Dem Fürst gehört sie, dass Ihrs wisst!
Nur, dass der sie halt nicht vermisst
Hat er doch hier kein Pferd mehr stehen
so muss er sie auch nicht begehen.“

Ein bunter Hund, wohl stadtbekannt
erschien darauf am ob’ren Rand
der Mauer, an der kleinen Lücke
die klaffte an der Pferdebrücke

Jawohl, und dieser scharfe Hund
der tat gleich seine Meinung kund
denn, da er aus dem Fürstenhaus
kannt er sich in der Sache aus

„Die Pferdebrücke, meine Herrn?
Da tut man lange schon drum zerr’n
zwischen dem Fürsten und der Stadt
WER hier WAS zu bezahlen hat.

Einst sollte doch das Denkmalamt
- so wurd mir jedenfalls bekannt –
auch tragen einen Teil der Kosten
zu renovieren Brück und Pfosten

Den Rest, den sollt die Stadt begleichen
damit die Brück nicht müsse weichen
sondern im alten Glanz erstehen
dass Brück und Steg könnt man begehen.

Dann gab es auch noch andre Pläne
- verzeiht, wenn ich sie hier erwähne -
Ne ausrangierte Konstruktion
von einer Brück, die hätt man schon

Dann wollte man in diese Mauern
- schon der Gedanke treibt mir Schauern –
grad Löcher brechen, dass sodann
man diese Brück dazwischen spann.“

Das Schwein, dass schmiss sich mit Entzücken
auf seinen schwarzen, borstgen Rücken
lachte, dass ihm die Tränen flossen
und hat dass Ganze sehr genossen

Es sprach in wonnevollem Ton
„Ja, diese Brück, die kenn ich schon!
Sag Euch, ein ähnlich hässlich Ding
dass kommt mir nimmer in den Sinn.“

Der Esel fand das nicht so witzig
und sagte daher ziemlich hitzig
dass er empfände es als Bürde
wenn man dies Eck verschandeln würde

Und weiter wär dann nicht geklärt
wie man mit diesem Steg verfährt
die Pferdebrücke ständ ja noch
und hätte weiter manches Loch

Und da man sich geeinigt hatte
wer welche Zeche nun erstatte
so wäre es doch angenehm
nun endlich frisch ans Werk zu gehn

„Nein, nein, so einfach ist das nicht!“
der bunte Hund dagegen spricht
Die Stadt, aufgrund der knappen Kassen
will’s Renovieren lieber lassen.

Doch gestern erst hab ich vernommen
ein kluger Mann, der soll nun kommen
und sagen ob die Pferdebrück
wohl länger steht da noch am Stück.“

So einigten sich unsre Tiere
dass sie sich wieder, alle Viere
denn träfen hier an diesem Ort
zu setzen dies Gespräch dann fort

Zwei Tage später wollte dann
der Esel an den Steg heran
im Schlepptau hatte er das Schwein
Jedoch das Treffen sollt’ nicht sein…

Sie standen an der Schwimmbachbrücke
da fand sich leider keine Lücke
der weitre Weg war nun verwehrt
da dieser ebenfalls gesperrt

Denn nun hatte man festgestellt:
Die Pferdebrücke nicht mehr hält
und auch des Steges Konstruktion
hätt lange sehr gelitten schon

Denn das Geländer ist defekt
- hat man das grade erst entdeckt? –
und dieses Loch da im Gemäuer
dass sei doch wirklich nicht geheuer!

Was allerdings dagegen spricht
dass man dann diesen Weg hier nicht
erst ab dem Pulverturme sperrt
der Sinn blieb unsren Zwei verwehrt

Als Krönung nahm man sich sodann
auch noch der Schwimmbadbrücke an
sie vorne, hinten abgeschnitten
und dann geflickt grad in der Mitten

Und dies Ensemble sieht nun aus…
Das Ganze wirklich nur ein Graus
Dort hängt das ganze Sortiment
dass man so aus dem Baumarkt kennt

Das Holz jedoch, dass man erblickt
mal hier, mal dort so eingeflickt
als wärs an dieser Stelle wichtig
passt leider nirgendwo so richtig

So müssen wir wohl weiter warten
und weiter gehen durch Schlosses Garten
bis irgendwann der Groschen fällt
wie’s sich mit dieser Sach verhält

01.07.2005

 
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