Die Büdinger Alm PDF Drucken E-Mail
Dem Frosch aufs Maul geschaut
Dienstag, den 07. September 2010 um 20:41 Uhr

oder
der große Kampf um Büdingens kleinstes Baugebiet


Erzählen will ich eine Mär
gut dreißig Jahre ist es her
da plante man in Michelau
ein Baugebiet, den Triesch - genau

Es hieß, die ganzen jungen Leute
die zög es in die Städte heute
und wollt man sie ans Dorf wohl binden
müssten sie dort ein Heim auch finden

Ja, so ein junger Michelauer
sein ein gar fleißig Häuserbauer
doch trat er in den Ehestand
im Dorf er gar kein Bauland fand…

Nun denkt Ihr sicher drüber nach:
Wenn damals alles dafür sprach
warum wurd aus der Sach nichts draus
warum steht dort bis heut kein Haus?!


Zu sagen lässt sich nicht vermeiden:
Die Antwort muss ich schuldig bleiben
Jedoch wird Eines daraus klar –
das Ganze nicht so dringend war…

So strich die Zeit durch grünes Land
Sich hin und wieder Einer fand
der sich erinnerte – genau
ans Baugebiet in Michelau

So mancher örtliche Verein
der dachte sich „Das kann nicht sein
wird hier nicht bald gebaut ein Haus
dann geht uns noch der Nachwuchs aus!“

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
ob das der Wahrheit wohl entsprach
ob wirklich dort kein Platz mehr war
für eine kleine Kinderschar

Die Stadt jedoch hielt sich für schlau
und kaufte drum im Michelau
ein Stück des Baugebietes auf
So nahm das Unheil seinen Lauf

Der Tausender gar 37
die zahlte man sodann ganz fleißig
für tausend Meter im Quadrat
nun wurde teuer guter Rat

Denn so viel Geld für dieses Land…
Es ist mir leider nicht bekannt
wie man auf diese Summe kam
damals davon nicht Abstand nahm

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
was man sich von dem Kauf versprach
Wollt man, den Platz in eignen Händen,
sodann die Diskussion beenden?

Und dann im Jahr 2003
da war es mit der Ruh vorbei
denn endlich sollte Bauland werden
und seitdem hagelt es Beschwerden

Denn just genau in diesem Jahr
der Landschaftsplan grad fertig war
und darin stand ja sehr genau
WO man sollt baun, in Michelau

Nur war das eine andre Stelle
und daher wollt’ man auf die Schnelle
den Triesch in trocknen Tüchern wissen
sonst müsste man ihn nachher missen

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
warum der Plan dagegen sprach
Es gab da einen guten Grund
den mache ich Euch hiermit kund:

Auf diesem Hang, ganz wunderschön
prächtige alte Bäume stehn
und Streuobstwiesen sind geschützt
derweil dies der Natur sehr nützt

Doch grenzte man die Bäume aus
würd noch ein kleinres’ Grundstück draus
was schließ- und endlich davon blieb
war einfach nur noch das Prinzip

Wer rechnen konnte, dem wurd klar
dass die Erschließung sinnlos war
da viel zu teuer, wie man sieht
für dieses kleine Baugebiet

Nun denkt Ihr sicher auch daran:
Auf Wiesen man nicht bauen kann
man muss zum Häuschen erst mal hin
sonst macht das Ganze keinen Sinn

Doch fehlt es hier nicht nur an Straßen
auch der Kanal zum Wasser-lassen
ist ein Problem an diesem Hang
da wird’s dem Rechner Angst und Bang

Und dass sich gar so Keiner fand
der haben wollte dieses Land
und sagte klar: „Ich will hier bauen.“
Auch das schaffte nicht grad Vertrauen

Warum dies Land nicht nötig war
Die Antwort ist bis heut nicht klar
Es wollt halt keiner so ein Stück
Vielleicht war´s ja der Pillenknick

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
ob irgendwas dafür noch sprach
grad dieses Land doch zu bebauen
drum sage ich Euch im Vertrauen:

Fürs Bauland sprach das Argument
das man auch von woanders kennt:
„Man hat das damals so gemacht
(und nun wird nicht mehr nachgedacht)!“

Man dabei jedoch übersah
dass nichts so bleibt, wie es mal war
sonst bräuchte man kein Baugebiet
weil’s Affen auf die Bäume zieht

„So machen wir den Ort nun rund“
da wurds so Manchem doch zu bunt
Denn wollte man das Dorf abrunden
so hätt sich Besseres gefunden

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
ob sonst noch etwas dafür sprach
dass grad der Triesch die erste Wahl
So passt gut auf und hört einmal:

Gut, wenn man Argumente hat:
„Ein Teil davon gehört der Stadt.
Und wenn das nun kein Baugrund wird,
dann sind wir ziemlich angeschmiert!“

Doch dieser Satz kam nur zum Schein
und das sah Mancher sehr schnell ein
Als sich nämlich ein Käufer fand,
da wurde Folgendes bekannt:

Ach ja, die Stadt, sie hätte Glück:
Es kauf Jemand das Land zurück!
Und gleich darauf, nun seid ganz Ohr
kriegt sie’s geschenkt, stellt Euch das vor!

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
dass nun ja alles dafür sprach:
- das Angebot nun angenommen
- mit blauem Aug davongekommen

Der Haken an der Sache war:
Die Stadt sollt sagen, klipp und klar
dass diese Streuobstwiese bleibt
kein Bauherr sie sich einverleibt

Jedoch, der städt’schge Magistrat
und auch der hies’ge Ortsbeirat
Die konnten dieses Glück nicht fassen
und wollten nicht vom Bauland lassen

Man sei doch nun schon im Verfahren
(Stimmt - und zwar schon seit dreißig Jahren!)
Nun sei Geduld wohl angebracht
was weiter das Verfahren macht…

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
dass Einiges dafür doch sprach
damit nun endlich Schluss zu machen
es warten ja noch andre Sachen…

Man könnte es auch so beschreiben:
Die Herren konnten’ gar nicht leiden
Wenn so ein Bürger kommt daher
und sagt, wie es zu machen wär

Und da der Magistrat der Stadt
den Streit so langsam über hat
daher entscheidet er ganz schlau:
Es wird gebaut in Michelau!

Was er da leider übersieht
ist, dass ein neues Baugebiet
vom Parlament wird doch bestimmt
wenn sich dort eine Mehrheit find

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
was sich der Magistrat versprach
und was sagt denn das Parlament
wo Mancher dies Gesetz auch kennt?

Nun, dort war man nicht amüsiert
was in der Sache so passiert
Doch hat man ja auch andre’ Sorgen
darum verschiebt man es auf Morgen

Und auch bei Ortbesichtigungen
ist leider kein Konsens gelungen
Da schwelgt man dann in Opfer-Rollen
- Man würde ihm nur böses wollen

Da wurd gejammert und geklagt
die Sache wiederum vertagt
Man tat sich mit der Sache schwer
und war so weit grad wie vorher

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
was man da so im Orte sprach
über die hohe Politik
So lasst uns werfen einen Blick

Derweil tobte ums Baugebiet
in Michelau ein kleiner Krieg
Draus wurde, wie man schließlich fand
ein regelrechter Flächenbrand

Die Gräben liefen kreuz und quer
mit Manchen sprach man gar nicht mehr
Jedoch Verdacht und wohl auch Lügen
gediehen dort in vollen Zügen

Ein Andrer löst, ganz still und leise
das Baumproblem auf seine Weise
Denkt sich: „Wenn da kein Stumpf mehr steht,
die Bauplatzplanung schneller geht.“

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
ob dies denn dem Gesetz entsprach
So lest doch einfach was dort steht
und was Ihr sicherlich versteht:

Man soll die Streuobstwiesen pflegen
und auch erhalten sie am Leben
und dabei ist ein jeder Baum
als schützenswert doch anzuschaun

Und will man Bäume dort entfernen
so muss man erst, könnt Ihr da lernen
eine Genehmigung erhalten
und kann nicht nach Gutdünken walten

Da schmolz denn auch diese Idee
so schnell dahin wie Maien-Schnee
Hätt es ein Nachspiel geben müssen
entzieht sich’s leider meinem Wissen

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
warum vom Zaun den Streit man brach
Warum wollt Mancher grad genau
DIES Baugebiet in Michelau?

So Mancher macht, s’ist kein Verbrechen
dem Wählervolke gar gern Versprechen
Doch wenn man sie nicht halten kann
ist schuldig stehts ein Andrer dann

So gings dem Triesch in Michelau
Es hieß, wer hier kauft, wäre schlau
denn wäre er des Bauens willig
bekäm er Bauland hier ganz billig

Ja, und auch Zeit könnt er sich lassen
so ein paar Jahre, kaum zu fassen
Gebühren würd es keine geben
für die, die heute schon dort leben

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
ob das der Wahrheit wohl entsprach
Bis so ein Bauplatz ist erstellt
das kostet immerhin viel Geld

Damit habt Ihr natürlich Recht
und dies Gebiet war ja auch schlecht
erschließbar, kostet außerdem
noch „Ökopunkte“, Ihr werdet sehn…

Sowas macht einen Bauplatz teuer
das war so Manchem nicht geheuer
weil man nicht mehr darauf vertraute
das Einer aus dem Dorf hier baute

Wer drum herum ein Haus schon hatte
bei dem ständ man dann auf der Matte
Anliegergebühren zu kassieren
Da würde man sich gar nicht zieren

Nun denkt Ihr sicher drüber nach
wovon der Plan denn sonst noch sprach
Wo sollte Häuser man errichten?
Auch davon kann ich Euch berichten

Zwei andre Plätze gibt’s noch – schau
im schön gelegnen Michelau
davon ist einer, wie man sieht
auch nicht im Landschaftsschutzgebiet

Nur hat sich Mancher da geziert
aus Angst, dass er’s Gesicht verliert
oder um Wem eins auszuwischen
alte Geschichten aufzutischen

Manch Fähnchen in den Wind gehängt
dabei die Tatsachen verdrängt
und immer nur die gleichen Leiern
So konnt man fröhlich Urständ feiern

Nun denkt Ihr sicher auch daran
dass das ja so nicht bleiben kann
So lange dauert diese Leiden
Man musste sich einmal entscheiden

Und als man schließlich doch abgestimmt
da sagten drei, wie man vernimmt
„Ein trifft’ger Grund der find sich nicht
der für den Triesch als Bauplatz spricht“

Die vierte Gruppe wollt sie noch
die Triesch-Bebauung, aber doch
Es ließ auch Jemand Klugheit walten
und hat der Stimme sich enthalten

Doch war das nur die halbe Miete
es gibt noch immer zwei Gebiete
um die man sich nun streiten kann
Fängt so der Spaß von vorne an?


01.05.2005

 
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