Die Mär von der milden Mathilde PDF Drucken E-Mail
Dem Frosch aufs Maul geschaut
Dienstag, den 07. September 2010 um 20:51 Uhr

oder
Wie Büdingen zu einem neuen Krankenhaus kam und warum es nun seine Probleme damit hat



Erzählen will ich eine Mär
es ist noch gar nicht lange her
da lebte hier in unserer Stadt
ein Weib, das Allen Gutes tat

Plagt es im Kopf und in den Beinen
da hieß es gar nicht lange greinen
dann zogen sie, ob Frau, ob Mann
zu ihrem Haus den Berg hinan

Ein Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
Wann immer quälte dich ein Schmerz
so half sie dir mit Hand und Herz

Jedoch die Zeit, sie schritt voran
und eines Tages kam ein Mann
der meint, ihr Häuschen sei zu klein
und dürft auch ruhig was nobler sein

Ihr Garten wäre ja ganz nett
jedoch, ein Kranker g`hört ins Bett
„Da bauen wir was Neues drauf“
so nahm das Ganze seinen Lauf

Dabei wusst Jeder: die Mathilde
ist eine Frau von großer Milde
in ihrem Garten konnt man schön
mal sitzen, mal spazieren gehn

So warb der Mann dann in der Stadt
was er für große Pläne hat
dem Örtchen sei es eine Zier
ständ erst das neue Häuschen hier

Und sei der Bau vielleicht auch teuer
wärs kein Problem, denn fürs Gemäuer
bekäm er eine edle Spende
das reiche schon für Dach und Wände

Dabei wusst` Jeder: die Mathilde
ist eine Frau von großer Milde
und auch in ihrem alten Haus
reichte der Platz bisher stehts aus

So Manchem wurde ungemach
man von Mathildchens Zukunft sprach
„Wird hier die Braut fein rausgeputzt
dass es des Vaters Beutel nutzt?

Ach Leute, so seid doch gescheit,
Mathildchen kriegt ein neues Kleid
doch nur, damit man sie sodann
samt Haus und Hof verkaufen kann“

Denn Jene meinten, die Mathilde
sei eine Frau von großer Milde
doch sei ein Weib erst schön und teuer
so fände sich recht schnell ein Freier

Die Andren sprachen: „Ei der Daus,
so putzt doch das Mathildchen raus!
Erst recht, wenn dieser gute Mann
uns ihren Hof erhalten kann.

Bisher hat sie uns gut gedient
wie es sich für ein Weib geziemt
doch wenn wir sie so wurschteln ließen,
müsst sie bald ihre Pforten schließen.“

Dabei wusst` Jeder: die Mathilde
ist eine Frau von großer Milde
und auch, wenn dich die Niere plagt
wirst du nicht einfach eingesargt

Die Nachbarn sahens nicht mit Wonne
„Man nimmt uns Aussicht, Licht und Sonne!
Die Größe ist es, die uns stört.“
Ihr Klagen wurde nicht erhört

Und auch Mathildchens Helferinnen
baten darum, sich zu besinnen
doch nur ganz leise, mit Bedacht
als fürchten sie um ihre Tracht

Ein Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
nur wurd sie leider nicht gefragt
was sie zu diesem Umbau sagt

So ging die Rede hin und her
und fiel auch die Entscheidung schwer
hieß es am Ende, dass der Mann
mit seinem Bau beginnen kann

Ein Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
und so entschied man mit Geschrei
was wohl für sie das Beste sei

Dann hat man plötzlich festgestellt
das die Genehmung kostet Geld
Der gute Mann bat daher fest
dass man ihm diese Schuld erlässt

Jedoch, die Herren dieser Stadt
- die nicht viel auf der Kante hat -
die sagten kategorisch: „Nein,
du zahlst in unsren Säckel ein!“

Denn Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch wer so groß hier bauen kann
der ist bestimmt kein armer Mann

Doch manch Gesetz hat seine Lücken
und das Verfahren seine Tücken
wenn der, der keine Rechnung stellt
sich wundert, dass kein Groschen fällt

Auf einmal war die Grube da
und eh man wusste, wies geschah
da wurde fleißig schon gebaut
Mathildchen`s Garten ganz – umgestaltet

Ein Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch selbst sie sprach: will man verwalten
muss manches man im Aug behalten

Als dann die Frist längst war verstrichen
Die Schuld jedoch noch nicht beglichen
Stellt man die Rechnung doch noch aus
schickt sie dem guten Mann ins Haus

Jedoch, der Gute lächelt nur
„Ich soll bezahlen? Keine Spur.
Wo ich doch schon am Häuschen bau!“
Und man muss sagen, das war schlau

Und Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch dieser Mann kannte Gesetze
und wie man sie geschickt einsetzte

Und auch die Herren Advokaten
die konnten hier nicht so recht raten
wie man nun zu verfahren hat
und Schaden wendet von der Stadt

Es ging die Frage hin und her
wer hier denn nun der Schuld`ge wär
die Akte hieß es durchzusehen
warum der Fehler war geschehen

Und Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch was steht schwarz auf weiß geschrieben
das hat schon manchen Streit entschieden

Als man die Schriften vorgelegt
hat sich ein Mancher gar erregt
denn was dort NICHT zu lesen stand
machte die Sache intressant

Es gibt eine Besonderheit
- gar einzigartig weit und breit -
dass man im Städtchen Akten führt
die Seiten aber nicht nummriert

Und Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
die stehts ans Wohl der Andren dachte
doch hier ging es ans Eingemachte

Der Eine hat ein gut Gewissen
- fürwahr ein sanftes Ruhekissen –
sprach mit dem Mann so manche Stunde
doch WAS, da gibt es keine Kunde

Wollt man mit einem Schmückstück prahlen
so müsse man dafür auch zahlen
und Drittens, wenn mans recht bedenkt:
Ein Andrer hätt das Geld verschenkt!

Und Jeder wüsste, die Mathilde
sei eine Frau von großer Milde
der Mann hätt sicherlich bezahlt
hätt man nicht von „Geschenk“ geprahlt

Der Andre lehnt sich ruhig zurück
denn er war ja, zu seinem Glück
zu jener Zeit noch nicht im Amt
und hat den Vorgang nicht gekannt

Und wie man es auch dreht und wendet
und wie die Sache schließlich endet
die eine Frage sei geblieben:
warum die Rechnung nicht geschrieben

Ein Jeder wusste, die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch da die Antwort wurd verwehrt
nun die Gerüchteküche gärt

Ein Wagen hielt vor Rates Haus
dort lud man viele Körbe aus
die standen dort, ganz ohne Frage
auf das man Licht ins Dunkle trage

Doch, wie es schon in Schilda war
man schleppte Körbe Jahr für Jahr
und schleppte doch nur warme Luft
bis irgendwann der Fall verpufft

Ein Jeder wusste: die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
doch wenn die Spuren bleiben kalt
dann hilft nur noch der Staatsanwalt

So endet hier nun diese Mär
doch stellt Euch vor, wenn’s Wahrheit wär
wenn das, was dieses Lied hier singt
sogar die örtlich Zeitung bringt

Wenn all die ganze Narretei
nicht Dichtung, sondern Wahrheit sei
Dann müsste es ein Ende geben
wohlan, Ihr werdet es erleben

Denn Jeder weiß doch: die Mathilde
war eine Frau von großer Milde
und wie es mit ihr weitergeht
dereinst auf diesen Seiten steht

01.02.2005

 
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