Demografischer Wandel – Wetterau nur wenig betroffen – Landrat Arnold: Vor Ort gegen Fortzüge wirken PDF Drucken E-Mail
Soziales
Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 13:26 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Der demografische Wandel ist eines der bedeutendsten Probleme, dem sich die ganze Gesellschaft stellen muss. Die Zahl der Geburten nimmt ab, sie liegt heute um 40 Prozent unter den Zahlen vor 20 Jahren.

Die Zahl der Geburten liegt mit 2.309 deutlich unter der Zahl der Verstorbenen (2.936) im vergangenen Jahr in der Wetterau. Mitte der Sechziger Jahre zählte man in der Wetterau noch rund 5.500 Geburten bei einer Einwohnerzahl von 240.000.

 

Dass die Bevölkerung dennoch nicht stark abnimmt, liegt ausschließlich an den so genannten Wanderungsgewinnen. Es ziehen mehr Menschen in die Wetterau als ihr den Rücken kehren. 17.521 Menschen kamen im vergangenen Jahr neu in die Wetterau. 17.101 kehrten ihr den Rücken. Zum Stichtag: 31. Dezember 2010 lebten nach den Berechnungen des Statistischen Landesamtes 298.015 Menschen in der Wetterau. Das waren 164 weniger als im Jahr zuvor.

 

Größte Stadt im Wetteraukreis ist seit einigen Jahren Bad Vilbel mit 31.822 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Brunnenstadt hat auch zahlenmäßig den größten Zuwachs des vergangenen Jahres registrieren können. Die Bevölkerung stieg in den 12 Monaten des Jahres 2010 um 188 Menschen. Aber auch hier sind es vor allen Dingen Wanderungsgewinne, die für den Zuwachs sorgten. Allerdings konnte Bad Vilbel als eine der wenigen Städte tatsächlich auch einen Geburtenüberschuss registrieren, 296 Geburten stehen 267 Sterbefälle gegenüber.

 

Zweitgrößte Stadt in der Wetterau ist Bad Nauheim mit 31.176 Einwohnerinnen und Einwohnern. Das sind 92 mehr als im Vorjahr. Der hohe Altersschnitt in Bad Nauheim drückt sich in einer größeren Zahl von Sterbefällen aus. 442 Menschen sind in der Kurstadt verstorben, dem gegenüber stehen 232 Geburten. Das Bevölkerungswachstum resultiert sich daher ausschließlich auf die Zuzüge, das waren im vergangenen Jahr 2031, 300 mehr als Fortzüge.

 

Altkreis Büdingen stärker betroffen

Was den demografischen Wandel angeht, so kann man grob ein Ost-West-Gefälle festhalten. Von den 16 Kommunen des Altkreises Friedberg wurde für neun Kommunen ein Bevölkerungswachstum festgestellt, in sieben Kommunen wurde ein Rückgang der Bevölkerungszahlen festgestellt.

 

Im Altkreis Büdingen waren es von neun Kommunen zwei mit einem positiven Ergebnis, sieben Kommunen mit negativen Zahlen. Besonders hervorstechend sind hier Ranstadt mit minus 1,67 Prozent und Ortenberg mit 0,96 Prozent. Zum Vergleich: in der gesamten Wetterau betrug der Bevölkerungsrückgang minus 0,06 Prozent. Aber auch hier sind es nicht die Geburtenzahlen, die dafür ausschlaggebend sind, sondern ebenfalls die Wanderungsbewegungen.

 

Interessant wird es wenn man einzelne Städte miteinander vergleicht, etwa die Städte Butzbach und Büdingen. In Büdingen zählte man 152 Geburten, in Butzbach 167. Sterbefälle wurden in Büdingen 220, in Butzbach 226 gezählt. In Büdingen lag allerdings die Zahl der Fortzüge mit 1.072 leicht (14) über der Zahl der Zuzüge. In Butzbach war es umgekehrt. Dort sind 1.242 zugezogen, 61 mehr als weggezogen. Somit ergibt sich für Butzbach ein Bevölkerungswachstum von plus vier, in Büdingen von minus 79.

 

Freilich ist diese Entwicklung nicht durchgängig und gilt auch nicht für alle Teile des Wetteraukreises. Ein Beispiel dafür ist Limeshain mit 5.362 Einwohnern, das sich gut mit Münzenberg 5.546 Einwohnern vergleichen lässt. In Limeshain wurden 40 Geburten gezählt, in Münzenberg 30. Die Zahl der Verstorbenen lag in Limeshain bei 38, in Münzenberg bei 51. Die Zahl der Zu- und Fortzüge war in Limeshain gleich bei 342, in Münzenberg standen 263 Zuzüge 271 Fortzügen gegenüber.

 

Kleinste Kommune im Wetteraukreis ist mittlerweile Kefenrod mit 2.835 Einwohnern (minus 40) hinter Hirzenhain mit 2.837 (plus 34)."

 

Demografischer Wandel fordert zu Sparsamkeit


Landrat Joachim Arnold unterstrich in einer Presseerklärung die Bedeutung der ausgewerteten Zahlen. „Wir müssen die Daten sehr genau im Blick behalten, nicht zuletzt auch was die Planungen hinsichtlich Schulbedarf und Kinderbetreuungseinrichtungen angeht. Bei der Haushaltspolitik müssen wir beachten, dass die Schulden der heute 45-jährigen mit einer jahrgangbreite von 5.500 aufgenommen und in 30 Jahren noch von denen mit einer Jahrgangsbreite von 2.300 getragen werden müssen. Allein die Verantwortung vor den nachwachsenden Generationen gebietet uns, sparsam zu haushalten. Die von mir initiierte systematische Aufgabenkritik ist dazu ein elementarer Baustein.

 

Kleine Schritte gegen Abwanderung


Den demografischen Wandel in der Wetterau können wir nicht umkehren. Wir können aber Maßnahmen ergreifen, um zumindest bestimmt Prozesse zu steuern. Auch die Zahl der Zu- und Fortzüge können wir in einem bestimmten Ausmaß beeinflussen. Gerade in den kleinen Städten und den Dörfern unserer Wetterau kommt es darauf an, junge Menschen im Ort zu halten. Dazu gehört Infrastruktur und das Angebot von Freizeiteinrichtungen. Hier sind insbesondere die Vereine ein wichtiger Faktor, um die Kommunen attraktiv zu halten. Die Wetterau bietet hochattraktive Wohnorte, die einerseits abseits der Hektik der Großstadt sind, gleichzeitig aber wegen der kurzen Wege zu Arbeitsplätzen in der Metropole ein interessantes Angebot gerade für junge Familien darstellen.“

 
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