Über die Kampagne des Bauernverbandes gegen die Hundehalter PDF Drucken E-Mail
Dein bester Freund
Dienstag, den 07. September 2010 um 21:08 Uhr

Sch… der Hund unter den Baum
so wird’s’ – mag man den Schildern traun –

dem Apfel im Geäst ganz schlecht

Ob das so stimmt? Ich weiß nicht recht...


Über die Kampagne des Bauernverbandes
gegen die Hunde und Hundehalter
– und wie sich die Sache nach der Meinung von Fachleuten wirklich verhält
In Büdingen gibt es wohl überdurchschnittlich viele Hunde - leider kenne ich die Statistiken nicht. Gerade in den letzten Monaten sind viele neue Hunde und auch Erstmals-Hunde-Besitzer hinzugekommen.
Die meisten dieser Hundehalter bemühen sich um reichlich Sozialkontakt ihrer Vierbeiner zu anderen Hunden und Menschen. Viele besuchen eine Hundeschule, man achtet darauf, dass die Tiere keine Spaziergänger belästigen (sonst ist eine freundliche Entschuldigung fällig) und räumt – zumindest ein Teil – die Hinterlassenschaften weg. Sogar der Besitzer unseres Schlossparks hat bestätigt, dass das Hundekot-Problem deutlich geringer geworden ist. Ein regelrechtes Hunde-Paradies also, wären da nicht 2 Störfaktoren…
Zuerst die Politik: Sie bescherte uns eine neue, reichlich überspannte und rechtlich zumindest nicht ganz wasserfeste Gefahrenabwehrverordnung. Allerdings setzt sich unsere Stadtverordnetenversammlung auch mehrheitlich aus öffentlich bekennenden (wirklich wahr!) Hunde-Ängstlichen zusammen. Und so haben wir nun z.B. einen Leinenzwang für JEDEN Hund im gesamten Stadtgebiet. Es hält sich aber keiner daran, auch nicht der Bürgermeister.
Nach den Freizeit-Jägern – da kommen dann so Aussagen wie: „Nach 18.00 Uhr haben Sie nichts mehr im Wald zu suchen“ oder „Wenn Sie in der Dämmerung durch den Wald laufen, kann ich Ihnen nicht garantieren, dass Sie nicht mal ne’ Kugel abkriegen“ - schießen sie hier nun aber auch die Bauern auf die Hundebesitzer ein.
Und die fahren großes Geschütz auf: Hunde auf den Auen- und Streuobstwiesen töten die Rinder und mindern die Qualität der Äpfel – kann man auf den dort angebrachten Schildern lesen. Und ich habe tatsächlich Leute gefunden, die das glauben…
Also, die Hunde verdrecken die Wiesen und vergiften damit die Kühe. Weil Kühe Hundehaufen so lieben (umgekehrt wird da eher ein Schuh draus…) Liebe Leute, Kühe sind Vegetarier und sollten das auch bleiben. Und wer das nicht glaubt, der hat vergessen, wie diese verhängnisvolle BSE-Geschichte zustande kam (Wenn man die Kadaver infizierter Schafe an Kühe verfüttert, kann so was eben passieren – und dass eine Infektionsgefahr auch für andere Säugetiere besteht, wusste man bereits in den fünfziger Jahren…)
Aber das Thema BSE ist out, nun ist die Neosporose in. Die Kühe verkalben und die Hunde der Spaziergänger sind schuld. Sagt zumindest der Bauernverband.
Professoren für Parasitologie sehen das anders. Da heißt es nämlich, dass bei einigen abgetöteten Kälbern der Parasit Neospora nachgewiesen wurde. Der wissenschaftliche Beweis, dass Neospora für sich alleine Aborte auslöst, wurde aber bisher nicht erbracht. Hingegen kennt man zurzeit 17 Infektionskrankheiten, die Fehlgeburten bei Rindern auslösen, weiterhin genetische Zuchtfaktoren oder Stoffwechselerkrankungen.
Der Erreger erzeugt bei gesunden Tieren keinerlei Krankheitssymptome, Neospora breitet sich hingegen in kranken Foeten aus. Kühen besitzen häufig Antikörper gegen diesen Einzeller – was aber nicht unbedingt bedeutet, dass der Parasit noch anwesend ist.
Hunde, die rohes - also ungekochtes und auch nicht tiefgefrorenes - erregerhaltiges Fleisch fressen, scheiden laut dieser Studie den Parasiten aus, allerdings auch nur kurze Zeit und in sehr geringem Maße. Zitat: “Sofern überhaupt Hunde in nennenswertem Maße an der Verbreitung beteiligt sind, so sind es die Hunde der Bauern selbst – sofern sie mit rohem Fleisch ernährt werden.“ Ein Dosen- oder Trockenfutter ernährter Hund scheidet aber als Überträger sowieso aus. Die Übertragung erfolgt vielmehr von der Kuh auf das (bereits aus anderen Gründen geschwächte) Kalb.
Wenn aber die Übertragungswege und Auswirkungen der Neosporose wissenschaftlich erforscht und dokumentiert sind, warum dann diese systematische Fehlinformation des Bauernverbandes an die Bauern, warum diese Hetze gegen Hunde und deren Halter?
Vielleicht brauchte man einfach mal wieder eine Schlagzeile, um von den eigenen, hausgemachten Problemen der Tierzucht und –Haltung in Deutschland abzulenken. Nun hat man endlich Jemanden, auf den man anklagend den Finger richten kann. Und einige Politiker stoßen gleich mit in das Horn. Man bekommt die Image-Post vom Jäger- und Bauernverband und macht sich nicht die Mühe, die Aussagen zu hinterfragen. Hauptsache, man hat mal wieder ein Foto in der Zeitung, bei der Ortsbesichtigung und mit den erwähnten Schildern. Das gibt vielleicht Wählerstimmen. Aber hoffendlich nicht die von Hundebesitzern, die man hier für dumm verkaufen will….
Und dann war da ja noch die Sache mit den Streuobstwiesen - die Äpfel werden schlecht. Kein Witz – Da stehen tatsächlich Schilder, man darf keine Hunde auf die Streuobstwiesen lassen, weil dort „hochwertige Lebensmittel für Menschen produziert werden“ die durch umherlaufende Hunde „verunreinigt werden“. Wenns nicht so traurig wäre, könnte man über diesen Blödsinn wirklich herzlich lachen…
 
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