Projektzuschuss für Jugendwerkstatt Herrnhaag PDF Drucken E-Mail
Soziales
Montag, den 13. August 2012 um 16:36 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Seit gut zehn Jahren bietet die Jugendwerkstatt Herrnhaag ein Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt für benachteiligte Jugendliche. Aktuell befinden sich 23 Jugendliche in einer Maßnahme, 18 von ihnen erhalten Mittel der JobKOMM, fünf weitere werden durch das Landesprogramm „Ausbildungsbudget“ unter-stützt. Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel hat dieser Tage einen Bewilligungsbescheid über 55.000 Euro übergeben. Damit wird das Projekt zunächst einmal bis zum Frühjahr des kommenden Jahres weiter gefördert.

 

 

Förderung ist dringend notwendig für die jungen Leute, die unter „multiplen Vermittlungshemmnissen“ leiden. Das heißt: Sie haben keine oder nur eine unzureichende Schulausbildung, leiden unter psychischen Erkrankungen, sind Schulverweigerer, nehmen zum Teil Drogen und einige haben schon Bekanntschaft mit der Gerichtsbarkeit gemacht. „Ein wichtiges Ziel unserer Arbeit ist es, den jungen Menschen neue Perspektiven zu öffnen, manchmal ein langer Weg“, wie Projektleiter Alexander Mebs beschreibt. Vorrangig müssten zunächst Schlüsselqualifikationen vermittelt werden, allein die tägliche Präsenz ist für manch einen der jugendlichen Projektteilnehmer alles andere als einfach. Erschwerend kommt häufig die schlechte ÖPNV-Anbindung aus den Dörfern des Wetteraukreises hinzu.

 

Für Ersten Kreisbeigeordneten Helmut-Betschel-Pflügel, der sich dieser Tage ein eigenes Bild von der Arbeit der Jugendwerkstatt machte, ist das Angebot ein wichtiger Baustein in der Sozialarchitektur des Wetteraukreises. „Hier sind keine Warteschleifen, sondern Aufbauschleifen eingezogen worden. Die jungen Leute, die hier betreut werden, brauchen eine Vorbereitung, um für eine Ausbildung fit gemacht zu werden“, weiß der Wetterauer Sozialdezernent aus eigener beruflicher Erfahrung. Dazu gehören auch die psychische Stabilisierung, die Vermittlung von Selbstwertgefühl und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das bestätigt auch Sozialpädagoge Dieter Reuter: „Wir versuchen unsere Wertschätzung gegenüber den Jugendlichen auszudrücken, wir arbeiten und wir essen zusammen, wir indoktrinieren nicht, aber wir leben unseren christlichen Glauben vor“, so das Credo der Jugendwerkstätte Herrnhaag, die als „gemeinsames Kind“ des Vereins der Freunde des Herrnhaag und der Sozietät Herrnhaag entstanden ist.

 

Arbeitslose, Ausbildung suchende Jugendliche, die solch ein Projekt benötigen, können sich ganz unbürokratisch direkt mit der Jugendwerkstatt in Verbindung setzen Tel. 06042/975836 oder aber mit Charlotte Grell, Fachstelle Jugendarbeit Tel 06031/833315.

 

Jugendwerkstatt Herrnhaag

 

Die Jugendwerkstatt Herrnhaag arbeitet vor allem handwerklich mit den jungen Leuten. Arbeit gibt es genug mit der Sanierung des Grafenhauses auf dem Herrnhaag. Der Herrnhaag wurde im Jahr 1738 durch den Reichsgrafen von Zinsendorf gegründet. Der Graf kam aus Sachsen und fand hier mit seiner lutherischen pietistischen Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter Brudergemeinde Zuflucht. 1.000 Menschen lebten hier in einer Lebens- und Dienstgemeinschaft, bei der Standesunterschiede weitgehend aufgehoben waren. Graf Gustav Friedrich zu Ysenburg-Büdingen, Nachfolger von Ernst Casimir, der den Glaubensflüchtlingen Zuflucht gewährt hatte, verlangte von den Herrnhutern einen Untertaneneid, den diese verweigerten. Daraufhin verwies Gustav Friedrich die Herrnhuter des Landes, so dass die wirtschaftlich äußerst erfolgreiche Gemeinschaft schon 15 Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgelöst wurde. Danach wurde die Siedlung Sommersitz der Grafen zu Ysenburg-Büdingen, Lager der Truppen Napoleons, Quartier des Reichsarbeitsdienstes und Gefangenenlager
während der Zeit des Nationalsozialismus.

 

Heute arbeitet der Verein der Freunde des Herrnhaag an der Renovierung der Gebäude. Eine Aufgabe, die unter den strengen Auflagen des Denkmalschutzes vermutlich noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird.

 
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