Landkreise Wetterau und Gießen wollen gemeinsam wertvolle Hutungen schützen PDF Drucken E-Mail
Umwelt allgemein
Mittwoch, den 02. Januar 2013 um 14:25 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Seit drei Jahren arbeiten Behörden, Gastronomen, Schäfer und Naturschützer gemeinsam in einem LIFE + Projekt der Europäischen Union an der Erhaltung und Sicherung der Hutungsflächen in der nördlichen Wetterau und im südlichen Landkreis Gießen. Jetzt wollen die Landkreise Wetterau und Gießen ihre Zusammenarbeit noch intensivieren.

Hutungen sind Flächen, die für die maschinenorientierte Landwirtschaft uninteressant geworden sind. An Kuppen und Bergen gelegen, oft steinig und mit dünner Humusschicht werden sie seit jeher als Weideflächen für Schafe und Ziegen genutzt. So haben sich im Laufe der Jahrhunderte wertvolle Biotope entwickelt, die auf diese Nutzung angewiesen sind. Magerrasenflächen mit seltenen Blumen und Gräsern locken ihrerseits wieder seltene Insekten an, die die Nahrungsgrundlage für Amphibien, Vögel und andere Kleintiere sind.

 

Dieser Kreislauf wird durch eine fehlende Nutzung unterbrochen, die Ökosysteme brechen zusammen. „Deshalb wollen wir mit dem Projekt „Wetterauer Hutungen“ dazu beitragen, die Existenzgrundlage von Schäfern zu verbreitern und damit eine Voraussetzung zur Sicherung dieser Hutungsflächen schaffen“, erläutert Christian Sperling, Regionalmanager in der Wetterau für das LIFE+ Projekt. „Es macht wenig Sinn, solche Projekte auf enge Verwaltungsgrenzen zu beschränken. Die Menschen interessieren sich für so etwas nicht. Das Produkt steht im Vordergrund, das spricht den Menschen an. Wir wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher mit allen Sinnen ansprechen. Das spricht für das Lammfleisch aus der Region. Davon können alle Beteiligten profitieren“, sagte Landrat Joachim Arnold bei einem Treffen mit seiner Gießener Amtskollegin Anita Schneider.

 

Die bestätigt, dass ein solches Programm den Naturraum abdecken muss und nicht an Verwaltungsgrenzen enden darf. „Was hier in der Natur produziert wird, soll auch in der Region vermarktet werden. Am besten sollte es noch in ein Tourismuskonzept eingebunden werden.“

 

Bessere Qualität als Lammfleisch aus Übersee

Die Angebote vom Lammfleisch in der Region sind breit. Norbert Weil, Metzger aus Hungen, hat sich damit sogar ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. „Ich vermarkte ausschließlich deutsches Lammfleisch und deutsches Rindfleisch mit einem riesigen Erfolg. Denn die Qualität ist eindeutig besser als von Lammfleisch aus Übersee, vor allem in geschmacklicher Hinsicht. Das hat auch etwas mit der Ernährung der Lämmer zu tun. Das kann man einfach schmecken.“

 

Weil wirbt dafür, nicht nur das Edelfleisch im Blick zu haben, auch Hackfleisch und Bratwurst vom Lamm sind hervorragende Produkte. Das bestätigt auch Reiner Neidhart von Neidharts Küche in Karben. „Ich bin immer wieder erstaunt, was bei uns in der Wetterau alles erzeugt wird. Wer auf regionale Kost zurückgreift, der tut nicht nur etwas für Leib und Seele, sondern auch für den Umweltschutz. Die Produkte aus der Region haben eine Geschichte, die auch für die Kunden nach-vollziehbar sind. Wichtig ist für mich als Gastronom der Kontakt zu den Erzeugern. Da habe ich Einfluss auf die Produkte. Ich kann beispielsweise dem Metzger sagen, dass er die Wurst nur mit Salz und Pfeffer und ohne Geschmacksverstärker herstellen soll.“

 

Wetterauer Hutungen – 65 Teilflächen

Die Wetterauer Hutungen werden derzeit in 65 Teilflächen erhalten. Flächen, die über das LIFE-Projekt gepachtet oder angekauft worden sind oder ohnehin schon im Besitz der Kommunen oder des Landes sind. Vor dem Projektstart im Jahr 2010 waren viele dieser Flächen in einem eher schlechten Erhaltungszustand. Der Grund dafür war nicht etwa die zu starke Nutzung, sondern das genaue Gegenteil. Hutungen sind meistens sehr magere Flächen, die für die Landwirtschaft uninteressant sind, weil sie schwer oder gar nicht zu bewirtschaften sind und sich eigentlich nur als Weideland für Schafe und Ziegen eignen. Wenn diese Beweidung ausbleibt, verbuschen die Flächen mit Brombeeren und Schlehen, später werden sie zu Wäldern. Die ursprüngliche Vegetation geht zurück.

 

Das LIFE+ Projekt „Wetterauer Hutungen“, das noch bis Ende 2014 läuft, soll langfristig die Magerrasenflächen mit ihren gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sichern. Voraussetzung dafür ist eine regelmäßige Beweidung, für die teilweise erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssen, etwa durch die maschinelle Beseitigung von Brombeer- und Schlehenhecken.

 

„Vieles ist in den ersten drei Projektjahren geschehen. Insbesondere durch den Wetterauer Lamm- und Landgenuss haben sich die kulinarischen Angebote erheblich verbessert und gleichzeitig auch die Nachfrage nach hochwertigem Lammfleisch aus der Region. Ein Weg, den wir in dieser Richtung weitergehen“, so Landrat Joachim Arnold.

 

 
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