Die Kirchenstiftung "Präsenz" in Büdingen PDF Drucken E-Mail
Geschichte allgemein
Samstag, den 08. März 2014 um 20:43 Uhr

Christian Vogel
Die Kirchenstiftung "Präsenz" in Büdingen
Zustände absoluter Monarchie im Hessen des 21. Jahrhunderts

88 Seiten mit zahlreichen Faksimiles – Preis EURO 10,00 – zu erhalten im Buchhandel oder beim Autor Christian Vogel, Hintergasse 4, 61194 Niddatal, Tel. 06034-8626, e-mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

 

In Büdingen gehören bekanntlich die evangelischen Kirchen und ihr Vermögen nicht der Kirche, sondern einer Stiftung namens "Präsenz". Diese ist völlig in der Hand von Mitgliedern der Familie Zu Ysenburg, und dies ging soweit, dass sie die Stiftung als ihr privates Familienvermögen behandelten.

 

Der Verfasser (Vorsitzender der Vereinigung für Heimatforschung in Vogelsberg, Wetterau und Kinzigtal) präsentiert jetzt eine Untersuchung, in der er auf der Grundlage umfassender Dokumentation darlegt, dass die Familie Zu Ysenburg an dieser reinen Kirchenstiftung keinerlei Recht hat und die Zuständigkeit allein bei der Evangelischen Kirche liegt.

 

· Die Präsenz ist zweckgebundenes kirchliches Vermögen der Pfarrei Büdingen. Von den Ysenburgern gestiftet wurde sie nachweislich nicht, obwohl diese seit langer Zeit das Gegenteil behaupten. Das 1919 rechtlich untergegangene "Haus Ysenburg in Büdingen" hatte ebenso wenig mit der Präsenz zu tun wie es die jetzigen einfachen Familien mit dem Namen Ysenburg haben.

 

· Zu tun mit der Präsenz hatten lediglich in den Zeiten der Monarchie die Chefs des Hauses Ysenburg in Büdingen in ihrer Eigenschaft als Staatsorgane. Die Präsenz wurde nämlich in der Reformationszeit von den Ysenburger Landesherren deren staatlicher Kirchenhoheit unterstellt. Sie blieb damit aber Kirchenvermögen, das jetzt vom Staat verwaltet wurde.

 

· Die staatliche Kirchenhoheit über die Präsenz ging 1815 auf den Großherzog von Hessen über und lag bei ihm bis 1918/19. Die vorher selbständig regierenden, jetzt unterworfenen Chefs des Hauses Ysenburg in Büdingen behielten aber einen Fuß in der Präsenz. Man beließ ihnen noch länger die Stellung eines unteren Staatsorgans mit dem Namen "Standesherr", und dies schloss auch die untere Verwaltung der Präsenz ein. Zuletzt war der Chef des Hauses Ysenburg in Büdingen aber in der Präsenz nur noch Beauftragter des Großherzogs. Mit dem "Hause Ysenburg in Büdingen", das vom Staat zu unterscheiden ist, hatte dies alles nichts zu tun.

 

· Dies alles ging 1919 ersatzlos mit der Monarchie unter, und seither wartet die Präsenz auf ihre Übernahme durch die Evangelische Kirche. Ihre Verwaltung durch den "Standesherren" als Vertreter des Großherzoglichen Staates erlosch schon deswegen, weil es in der neuen Republik keinen Standesherren mehr gab. Es gab aber gar kein staatliches Recht auf Verwaltung der Präsenz mehr, weil die neue Verfassung die bis dahin verstaatlichte Kirchenhoheit der Kirche übergab.

 

· In der Präsenz ist diese Übergabe bis heute nicht erfolgt. Die Evangelische Kirche hat zwar voriges Jahr zum ersten Mal rechtliche Schritte ergriffen, dabei aber den andauernden pseudomonarchischen Zustand immer noch nicht in Frage gestellt. Sie forderte lediglich Mitwirkung. Es war unvermeidlich, dass sie mit diesem halbherzigen und in sich widersprüchlichen Schritt beim Verwaltungsgericht scheiterte. Die Kirche hat nur ein Recht an der Präsenz, wenn es sich um eine Kirchenstiftung handelt. Dann haben aber Mitglieder der Familie Ysenburg in ihr nichts zu suchen, weil alle Kirchenhoheit über kirchliche Stiftungen 1919 erloschen ist.

Zu dem für einen in der Wetterau lebenden Katholiken ungewöhnlichen Thema ist der Verfasser auf einem Umweg gelangt. Seit über einem Jahrzehnt ist er Vorkämpfer für die gesetzlich vorgeschriebene Öffnung der drei "Rentkammerarchive" in Büdingen, in denen wesentliche Überlieferung von etwa 60 Orten liegt. Diese Unterlagen staatlichen Charakters aus der Zeit, als die Ysenburger noch selbständig ihre Grafschaften regierten, werden ganz wie die Präsenz von Mitgliedern der Familie Zu Ysenburg wie Privateigentum behandelt und daher der Öffentlichkeit verschlossen gehalten. Die Familie tritt dabei als "Fürstliches Haus Ysenburg" mit einem "Chef" und "Hausvermögen" auf, obwohl es diese Begriffe der Monarchie rechtlich gar nicht mehr gibt. Und sie erweckte den Eindruck eines einheitlichen "Hausvermögens", obwohl das von Otto Friedrich Zu Ysenburg hinterlassene Vermögen schon lange völlig aufgesplittert war und inzwischen flächendeckend in Konkurs gegangen ist. Dies veranlasste den Verfasser, in der Presse für Aufklärung zu sorgen. Bleibende Folge dieser Artikel für den Verfasser ist, dass er immer wieder auch in andere "Ysenburger Angelegenheiten" gezogen wird und dabei tief in den Büdinger Wald geraten ist.

 

Bezüglich der "Präsenz" war dies ein Selbstgänger, da die Rechtslage fast dieselbe wie bei den Rentkammerarchiven ist. In beiden Fällen wird Eigentum, das die Chefs des Hauses Ysenburg in ihrer Eigenschaft als Staatsorgan verwaltet haben, heute wie Privateigentum einzelner Mitglieder der Familie mit dem Namen Ysenburg behandelt (Familienvermögen kennt das BGB ja nicht). So kommt es, dass fast 100 Jahre nach dem Untergang der Monarchie eine Privatperson noch immer Kirchenhoheit in der Präsenz ausübt. Zum Thema wurde dieser Zustand erst, als es im Zuge der fortschreitenden Insolvenzen des Ysenburger Vermögens zu verschiedenen finanziellen Transaktionen um die Präsenz kam, die auf scharfe Kritik stießen. Politiker der Stadt Büdingen schalteten das Regierungspräsidium in Darmstadt ein, und beide nahmen den Verfasser als Gutachter in Anspruch. Die Folgen waren nicht die vom Verfasser erwarteten. Eine Satzung wurde genehmigt, die offen auf monarchischen Prinzipien beruht. Und verblüffend ähnlich wurde jetzt auch von Seiten der Landesregierung in der Frage der Rentkammerarchive argumentiert.

 

Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der Evangelischen Kirche zu Diskussionen führen. Nicht nur dürfte - zumindest in der letzten Zeit - durch Untätigkeit der Kirche ein höherer Vermögensschaden entstanden sein. Es berührt auch die Selbstachtung, wenn mitten in der Republik Privatpersonen Kirchenhoheit ausüben. Einen andern Titel hatten Ysenburger in der Präsenz nie.

 

 
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