Vortrag über Gärten und Parks beim Büdinger Geschichtsverein von Dr. Bernd Vielsmeier PDF Drucken E-Mail
Geschichte allgemein
Dienstag, den 02. September 2014 um 23:12 Uhr

Am 3. September lädt der Büdinger Geschichtsverein zu einem Vortrag über „Gärten und Parks in Oberhessen“ ein. Aufgrund noch nicht abgeschlossener Brandschutzmaßnahmen im Heuson-Museum findet die Veranstaltung im Gemeindesaal in der Marienkirche statt.

 

Die Wetterau als alte Kulturlandschaft ist auch eine von der Gartenkultur geprägte Region. Ein Streifzug durch die Geschichte der Wetterauer Gärten und Parks beleuchtet die besondere rechtliche Stellung des Gartens seit dem Mittelalter und die Vielfalt der Gartenanlagen, die als Nutz- und Ziergärten angelegt worden sind. Ihre Schöpfer, die Gärtnerinnen und Gärtner, sind wie ihre Gärten ein Spiegelbild ihrer Zeit und ihres Zeitgeschmacks.

 

Gärten als Sondernutzungsland wurden in den Küchen, Pflanz- und Kappesgärten zum Anbau von Obst-, Gemüse und Kräutern für den Haushalt genutzt, die Kräutergärten der Klöster lieferten den Klosterapotheken die benötigten Pflanzen zur Herstellung von Heilmitteln, in Hanf- und Flachsgärten wurden Faserpflanzen zur Herstellung von Tuchen angebaut. Eine wichtige Rolle spielten die Baum-, Wein- und Hopfengärten zur Produktion von Wein und Bier. Für das wohlhabende Bürgertum und den Adel spielte die mit Blumen, Büschen und Bäumen gestaltete Gartenanlage eine wichtige Rolle für die Erholung und gesellschaftliche Repräsentation. Diese Gärten waren im 18. und 19. Jahrhundert auch politisches Programm. Teehäuser im Stil von chinesischen, türkischen oder schweizerischen Gebäuden gebaut, zeigten aufgeklärte Gartenbesitzer. China, das osmanische Reich und die Schweiz sind zu dieser Zeit Vorbild für fortschrittliche und demokratische Staatswesen gewesen, deren Staats- und Gesellschaftsform in Deutschland erst noch verwirklicht werden sollten.

 

Das Kur- und Badewesen spielte in der Wetterau mit ihren zahlreichen Mineralquellen eine bedeutende Rolle und damit verbunden auch die Anlage und Nutzung von Kurparks, für deren Gestaltung bedeutende und weniger bekannte Gärtner und Gartenarchitekten beauftragt wurden. Zu ihnen gehört Carl Bindernagel aus Friedberg, der als großherzoglicher Burggärtner für Gartenanlagen in der Friedberger Burg, der Sommerresidenz der Großherzöge von Hessen, verantwortlich war. Er ist mit der Planung des Kurparks von Bad Salzhausen betraut worden, für den derzeit ein Parkpflegewerk in Arbeit ist. Ein weiterer herausragender Gartenarchitekt der Wetterau ist der in Groß-Karben aufgewachsene Heinrich Siesmayer, der eine große Gärtnerei und Baumschule in Bad Vilbel betrieb. Zu seinen herausragenden Gartenanlagen gehören der Frankfurter Palmengarten und der Kurpark von Bad Nauheim. Auch Johann Wolfgang von Goethe und Eduard Petzold, der Gartenbaudirektor des Fürsten Pückler-Muskau, planten und gestalteten Gärten in der Wetterau.

 

Zur Person von Bernd Vielsmeier: Studium der Fächer Germanistik, evangelische Theologie und Geschichte. Als Germanist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Univ. Gießen, am Deutschen Wörterbuch an der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, am Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg und seit einigen Jahren freiberuflich als Lektor tätig. Bereits während seines Studiums wurde sein Interesse an Geschichte, Kunst, Kultur und Natur des Mittelmeerraums, insbesondere des Orients geweckt. Daneben gelten seine Interessen der Geschichte und Kultur Mitteldeutschlands mit Schwerpunkt auf dem Rhein-Main-Gebiet und der Geschichte Hessens sowie der europäischen Gartengeschichte im weitesten Sinne.

 

Der Vortrag beginnt um 20 Uhr, davor kann ab 19 Uhr die aktuelle Ausstellung „Büdinger Alltag im 1. Weltkrieg“ besucht werden. Der Eintritt ist frei.

 

 
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