Infektiöse Anämie - wichtige Hinweise für Pferdehalter PDF Drucken E-Mail
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Montag, den 13. September 2010 um 16:31 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Die „ansteckende Blutarmut“ ist in Hessen bei Pferden erneut ausgebrochen. Kreisbeigeordneter Ottmar Lich und der Leiter der Veterinärbehörde des Wetteraukreises Dr. Rudolf Müller warnen daher vor Kontakten mit Einhufern (Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und Zebras) unbekannter Herkunft.

Die Infektionsursache des aktuellen Geschehens ist der illegale Import von Pferden aus Gebieten in Rumänien, in denen die Infektiöse Anämie grassiert.

 

Nach bisherigen Erkenntnissen der Veterinärbehörden konnten hessenweit bisher sechs Fälle festgestellt werden, in denen Pferde tatsächlich an der Infektiösen Anämie erkrankt sind. Insgesamt wurden nach den laufenden Ermittlungen 75 Pferde ohne Untersuchung und entsprechende Gesundheitszeugnisse nach Hessen verbracht. Im Wetteraukreis stehen derzeit 5 Pferde unter amtlicher Beobachtung. Alle diese bisher blutserologisch untersuchten Tiere waren glücklicherweise nicht mit der Infektiösen Anämie infiziert.

 

In Deutschland traten in den letzten Jahren vereinzelte Fälle in Bayern, NRW und Hessen auf. Sie erstreckten sich nur auf wenige Tiere. Auslöser waren auch damals importierte Pferde aus Osteuropa und Russland.

 

Die Infektiöse Anämie der Einhufer (EIA) ist eine weltweit verbreitete Tierseuche. Nur Tiere der Familie Equidae sind für diese Viruserkrankung, die gewöhnlich tödlich endet, empfänglich. Menschen, so betont Dr. Müller, sind nicht gefährdet.

 

Die EIA wird durch ein Virus ausgelöst und zur Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe führt. Im Überlebensfall der Tiere besteht eine lebenslange Infektion. Die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung (Inkubationszeit) beträgt etwa zwei bis sechs Wochen. Mit der Vermehrung des Virus im infizierten Tier werden spezifische Antikörper gebildet, die zwei bis drei Wochen nach der Infektion erstmalig nachgewiesen werden können und Grundlage für die amtliche Feststellung der Krankheit sind.

 

Nach Auskunft von Dr. Isabell Tammer, der Sachgebietsleiterin Tierseuchen, kann eine Übertragung der Krankheit durch blutsaugende Insekten (Vektoren) sowie durch den Kontakt infizierter Einhufer (Virusträger) erfolgen.Die wichtigste Rolle bei der Übertragung spielen Bremsen, Stechfliegen und Stechmücken, wobei erst nach mehrmaligem Stechen, die zur Infektion notwendige Virusmenge im Einhufer erreicht wird.

 

Die direkte Übertragung von Tier zu Tier erfolgt über Speichel, Urin und Sperma. Hierbei tritt das Virus durch gesunde und intakte Schleimhäute oder durch die gesunde Haut bzw.Wunden in den Organismus ein. Bei tragenden Stuten ist eine indirekte Übertragung auf den Fetus möglich, ebenso kann sich das Fohlen durch die Milch infizierter Stuten anstecken.

 

 

Das Krankheitsbild:

Es treten allgemeine Symptome auf, die je nach Verlaufsform (akut, chronisch, inapparent=unauffällig, symptomlos) unter-schiedlich stark ausgeprägt sind:

Teilweise wiederholend auftretendes Fieber bis zu 41°C

gerötete Augen mit wässrigem Ausfluss

blasse oder gelbe Schleimhäute (Anämie)

punktförmige Blutungen in den Schleimhäuten, besonders am Zungengrund

Konditionsverlust, Schwäche, Gewichtsverlust

Schwellungen an Gliedmaßen und Bauch (Ödeme)

Aborte

Unfruchtbarkeit

unkoordinierte Bewegungen (Ataxien)

Kolik

Appetitlosigkeit, Futterverweigerung

Blut in den Pferdeäpfeln

Für die chronische Verlaufsform sind sich wiederholende Fieberanfälle und Krankheitsschübe typisch. Tiere, die symptomlos erkranken und damit gesund erscheinen, sind lebenslang Träger des Virus und stellen eine ständige Ansteckungsgefahr für andere Equiden dar.

 

Hinweise für Pferdebesitzer:

Vermeiden Sie Kontakt zu Pferden unbekannter Herkunft.

Importierte Pferde aus gefährdeten Gebieten sollten in Quarantäne gehalten werden.

Vor Neueinstellungen von Pferden in Betriebe, Kauf oder Turnierteilnahme sollten Blutuntersuchungen, mit entsprechender Dokumentation im Pferdepass, zum Ausschluss einer vorliegenden Erkrankung an Infektiöser Anämie durchgeführt werden (Coggins-Test).

Vermeiden Sie größere Pferdeansammlungen.

Sauberhalten der Boxen, Stallgasse und aller dazugehörigen Räumlichkeiten, regelmäßige Entfernung von Pferdeäpfeln und Mist.

Vermeiden vom gemeinsamen Gebrauch von Sattelzeug und Bürsten; wenn doch sollten sie nach jedem Gebrauch desinfiziert werden.

Um die Vermehrung der Vektoren zu verhindern sollte auf Weiden und Paddocks kein Wasser stehen, sondern eine gute Drainage vorhanden sein.

Sorgfältige Insektenkontrolle (Anwendung von Repellents=Abschreckmittel für Insekten wird empfohlen, erforderlichenfalls Einsatz von Insektiziden).

 

Was tun bei infektiöser Anämie der Einhufer?

Tiere mit unklarer Symptomatik oder krankheitsbedingten Auffälligkeiten sollten sofort dem Haustierarzt vorgestellt werden. Da die infektiöse Anämie der Einhufer eine anzeigenpflichtige Tierseuche ist, muss bereits der Verdachtsfall unverzüglich dem Fachdienst Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung angezeigt werden. Dieser veranlasst weitere Maßnahmen wie Probenentnahme für diagnostische Untersuchungen, Einzelhaltung der verdächtigen Tiere, Verbringungsbeschränkungen (Teilnahmeverbot für Turniere) und Exportverbote. Sollte das Virus nachgewiesen werden, ist das betroffene Tier zu töten. Eine Therapie oder auch Impfung ist weder möglich noch erlaubt!

 

Genaue Auskünfte der notwendigen Maßnahmen in den individuellen Fällen erteilen die Amtstierärzte/Amtstierärztinnen der hiesigen Veterinärbehörde (Tel. 06031-7321-0).

 

Abschließend bietet Kreisbeigeordneter Lich die Hilfe der hiesigen Veterinärbehörde (Tel.: 06031/73210) an. „Die Amtstierärzte/Amtstierärztinnen werden die Tierbesitzer gerne beraten und Auskünfte über notwendige Maßnahmen erteilen“, so der zuständige Dezernent Lich.

 
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